Am Freitag, dem Dreizehnten Juni fand bei abnehmendem Dreiviertelmond unser monatliches Treffen statt – da achtzehn Personen anwesend waren, summierten sich Monatstag und Anzahl der Anwesenden zur Primzahl 31, was sicher eine tiefe metaphysische Bedeutung hat. Viele von den Achtzehn hatten ihre fertigen Projekte mitgebracht, was den Modelltisch knirschen und jedem der Präsentierenden nicht soviel Zeit wie sonst für Erläuterungen ließ.
Zimmo machte den Anfang und präsentierte seine Zero Typ 21 von Academy in 1:48, eine Maschine der Hiryu während der Schlacht von Midway. Der Kit ließ sich fein bauen, mit Masken und einem kleine Fotoätzsatz, fast wie ein Profipack. Das grünliche Grau von Tamiya (XF-12) ist historisch up to date. Präsentiert wurde die leicht verratzte Maschine auf einer noch verratzteren Kriegsflagge der kaiserlich-japanischen Marine.
Zimmos neue Fw 190D-11 (sie werden ihn niemals loslassen!) war ursprünglich der Hasegawa 1:32-Bausatz, wurde aber durch den Umbausatz von Montex (Propeller, Lufteinlass, Motorhaube) zur seltenen D-11. Sauberer Routinebau nach so vielen 190D, auf einer Base mit Holz und Schlamm, wie es halt damals so war. Die Farben sind die neuen Revell Airbrush, nur die RLM 76 ist von Gunze; das Holzmaterial des Propellers der D-11 wurde durch Verwitterung angedeutet.
Jonns brachte sein Langzeitprojekt mit, dass es durch viele Mojo-Tiefen und RL-Hindernisse geschafft hatte. Wenn Jonns etwas baut, dann kann man nicht erwarten, dass es am Boden bleibt, auch wenn es eine ehemalige WR 360 Lokomotive von Trumpeter in 1:35 ist. Der Grundbausatz ist unter den Teilen aus der Grabbelkiste und aus dem 3D-Drucker noch erkennbar, auch mit Hubtriebwerken, Beleuchtung und exotischer Crew. Dank geht an Patrick für seine Hilfe mit einem Teil der LEDs!
Uwe war gesundheitsbedingt abwesend, schickte aber Vertretung. Sein Ferrari 312 in 1:43 von MFH stellt das Fahrzeug dar, mit dem Chris Amon 1967 im GP von Deutschland Dritter wurde. Der Bausatz ist ein Gedicht für Multimedia-Uhrmacher mit winzigsten Teilen, die aber alle super ineinander greifen. Das Diorama ist scratch mit Figuren aus allen möglichen Quellen und basiert auf einem Foto von den Nürburgring-Boxen aus den 1960ern.
Uwes Polikarpov I-153 in 1:72 von ICM war eine Art Mini-Gruppenbauprojekt mit Harald; dankenswerterweise hat er mit der Präsentation (monatelang) gewartet, bis Harald mit seiner I-153 von Heller/Smêr auch fertig war. Unterschiedliche Bausätze und Bautechniken (zB Verspannung mit Stahldraht oder Nähgarn) führten in beiden Fällen zu feinen Ergebnissen; Uwes dunkel getarntes Vorbild hatte bis 1942 überlebt, während Haralds Maschine mit der improvisierten Punktetarnung noch aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg stammt.
„Raketen“-Harald hatte eine amerikanische GAM-87 Skybolt in 1:72 mit (authentischen) britischen Markierungen dabei, das Ergebnis eines Wochenend-Blitzbuilds auf britmodeller. Mehr Arbeit machte sein Space Clipper „Orion“ aus dem Film „2001 – Odyssee im Weltraum“; der Bausatz stammt von Moebius, und selbst der Hersteller zeichnet den Bausatz mal als 1:144, mal als 1:160 aus. Grundsätzlich gute Passform mit doch notwendiger Nacharbeit an praktisch allen Teilen machen den Bausatz zu einem Mittelding zwischen Mainstream und Short-Run. Ein besonderer Hit sind die riesigen Decals, die Paneellinien und unterschiedlich gefärbte Paneele enthalten.
Wolle hatte sich in Leipheim verliebt und brachte nach nur einem Wochenende Tr… äh Bastelzeit seinen Todesstern mit Sternzerstörer von Bandai zum Treffen. Beides Superbausätze, feinste Details und absolut passgenau. Die Base ist ein ehemaliges Stück Terrasse mit Edelstahlstäben.
Auch sein Corsair-Eggplane ist das Ergebnis einer Inspiration aus Leipheim. Als sein erster Flugzeugbausatz war sie genau das Richtige zum Ausprobieren verschiedener Techniken für Wash und Verwitterung, denn das Schöne ist: ein Eggplane strahlt soviel Spaß aus, dass spaßbefreite Detailkritiker geblendet das Auge abwenden.
Wolles „Gogo ist tot“ ist ein Diorama aus Auto, Wasser und Verlassenheit. In einem Tümpel aus mehreren millimeterdünnen, immer schmutziger eingefärbten Schichten Epoxidharz am Ende der Zivilisation (oder mittendrin) findet sich ein Goggomobil T250 aus Metall von Revell in 1:18, das sandgestrahlt und umgebaut wurde. Das Material des Dioramas ist Styrodur, doch Schmutz und Ablagerungen kommen aus Wolles stets gut gefüllter Kiste mit Naturmaterialien – man muss nur mit offenen Augen auf den Boden schauen.
Jürgen K. hatte diesmal (auf Wunsch!) einige Rennflugzeuge im Gepäck. Die RB-51 „Red Baron“, eine Rennmustang mit Griffon-Motor von High Planes in 1:72 ist ein Short-Run, der aber nach dem Freimeißeln feine Details und sogar Passgenauigkeit liefert, dazu erstklassige Decals. Die Rennmaschine Cobra II ist eine P-39 Airacobra mit dem Motor einer P-63 Kingcobra. Der Bausatz ist von der deutschen Firma Classic Plane, Modellstudio Rhein-Ruhr; enthalten sind eine P-39 von Heller und die notwendigen Umbauteile aus Resin. Beide Maschinen sehr inspirierend, sauber und unverdreckt gebaut, wie man es von Rennflugzeugen erwartet.
Jürgens Fokker DR.1 ist der Uraltbausatz von Revell in 1:72. Aber kein Roter Baron, sondern ein besonderes Diorama: in der Realität wurde das durchsichtige Bespannungsmaterial mit Pinsel und Farbe bemalt, was das streifig-improvisierte Aussehen ergab. Diesen Vorgang hat Jürgen im Diorama nachgebildet; die Tarnung selbst lieferten Decals von Aviattic, die sich durch Durchsichtigkeit und Stabilität auszeichnen. Das Flugzeug selbst wurde dann mit Ölfarben gealtert.
Jürgen G. zeigte ebenfalls eine Maschine mit Aviattic-Decals, jedoch in seinem Hausmaßstab 1:32. Das Modell ist eine Pfalz D.IIIa von Wingnut Wings, getarnt nach der späteren deutschen Methode durch Bespannung mit mehrfarbigen Polygonen, manchmal auch „Lozenge-Tarnung“ genannt. Auch hier lieferte Aviattic die Tarnung; die Maschine selbst wurde von Hans Böhning geflogen, der an ihr eine Ligatur seiner Initialen „HB“ anbringen ließ. Die Figuren sind schon etwas älter und stammen aus England.
Ralf hatte seine Ta 152H von Aoshima dabei. Der Bausatz ist um Welten besser als der alte von Frog (und später Revell), und man kann es verantworten, das Cockpit offen darzustellen. Eine feine Flecken- und Segmenttarnung in den späten Farben 81/82/76 rundet das Werk oben ab, die Unterseite ist in verschiedenen Metalltönen gehalten – die Unterseiten wurden gegen Ende des Krieges nur noch teilweise lackiert, um Aufwand zu sparen.
Der High Speed Tractor M5 von Hasegawa in 1:72 ist Ralf in Stammheim nachgelaufen – was kann man anderes tun, als ihn zu adoptieren und ihn in einer Vielzahl von Grün- und Brauntönen zu lackieren und zu verschmutzen?
Ralfs Halbkettenfahrzeug Sd.Kfz. 251 mit dem Turm des Achtrad-Spähwagens Sd.Kfz. 234 „Puma“ ist natürlich ein WhatIf – aber irgendwo, irgendwann hat sicher irgendjemand so etwas auf eine Serviette gekritzelt und sich gedacht: das wäre doch was? Und hier ist es! 😊
Der polnische Panzerwagen WZ.34 aus der Zwischenkriegszeit ist ein Produkt aus dem 3D-Drucker. Das Modell ist im Maßstab 1:72 winzig – umso anspruchsvoller war es, die typische polnische Mehrfarbentarnung mit schwarzen Trennlinien von Hand zu malen.
Schließlich hatte Ralf auch noch einen Rennkäfer im Gepäck. Dem Vernehmen nach handelt es sich um das Produkt eines Urlaubsflirts zwischen einem VW Käfer von Wiking und einem Porsche 911 von Herpa. Wo die Liebe hinfällt, da wächst kein Gras mehr! 😉
Moritz hatte ausnahmsweise einen Panzer mit dabei. Der Maßstab ist unbekannt, wahrscheinlich im Bereich 1:100; das Modell diente eigentlich als Testmobil für eine Technik, bei der auf die lila (in Worten: LILA) Grundfarbe die eigentlichen Farben mit einem Schwamm aufgetragen werden und über das Ganze ein Wash kommt. Man hört übrigens, dass in den Moritz-Werken der eine oder andere Warhammer 40k Panzer in Arbeit ist.
Der Vogel ist ein Teil aus dem neuen Warhammer-Modus „Kill Team“, erstellt in Moritz‘ Standardtechnik mit dunklen Grundfarben, auf die Schicht für Schicht hellere Farben aufgebracht werden. Das Skelett mit dem Speer kommt aus einem 7er-Set, das heißt: es warten noch ein paar! 😊 Der Skelettkönig (Wight King) schließlich ist eine Einzelfigur. Die Rüstungen der beiden wurden mit Gold-Metallfarbe erstellt, je nach Bedarf und Schicht gemischt mit rot und/oder schwarz. Gruselig!
Uli brachte eine Stinson Reliant in 1:72 der spanischen Firma „Decno Models“ dabei, einen Pilotentrainer der Northeast Airlines. Er war gleich voll des Lobes ob des tollen Inhalts des Bausatzes – moderner Abguss, farbige Anleitung, 3D-Formen, Masken fürs Orange gleich dabei – gefolgt vom guten Rat, den Bausatz in der Schachtel zu lassen und ihn dort zu bewundern, anstatt sich beim Bau darüber zu ärgern. Vom falsch drehenden Propeller über die gelben (und nicht orangen) Beschriftungen bis zu den Resin-Glasteilen (die er durch Overheadfolie ersetzt hat) gab es jede Menge „Bastelspaß“ zu bewältigen. Wie bei Uli üblich, sieht man dem fertigen Modell nichts davon an: ein selbstbauender Tamiya könnte nicht weniger unauffällig-perfekt dastehen.
Markus hatte Großes im kleinen Maßstab mitgebracht. U 67, ein Uboot vom Typ IX von Revell in 1:72. Gebaut im Prinzip aus der Box, mit verschiedenen Versuchen, die Netzabweiser-Stahldrähte überzeugend, aber haltbar darzustellen. Der Weisheit vorerst letzter Schluss waren Gitarrensaiten (metallisch, dünn, unverbiegbar), bei denen sich dann aber die Befestigungspunkte als Achillesferse herausstellten. Das Boot wurde in vier Grautönen verschiedener Hersteller lackiert (hell, mittel fürs Deck, dunkel für 2. Turmfarbe, dunkel Unterwasserschiff) und dann verwittert. Überzeugend die Flutschlitze, auch ohne sie zu öffnen – Farbe kann halt was! Dann war da noch was mit Bauzeit 4 Wochen, kann sich nur um einen Hörfehler handeln. 😉
Markus‘ zweites Modell des Abends, die eigentlich verdammt große Fliegende Festung B-17G (Revell, auch in 1:72) nimmt sich dagegen wie ein Winzmaßstab aus. Das Modell wurde aus der Box gebaut und u.A. mit Tamiya Chromsilber lackiert, zum Erstaunen der anwesenden Tamiyafarbenbenutzer, die mit den Silbertönen von Tamiya so ihr liebes Leid hatten. Die uneinheitliche Lackierung des Flugzeugs kommt daher, dass das Original, die „Little Miss Mischief“, aus mindestens zwei nicht mehr flugfähigen Maschinen zusammengebaut wurde.
Thomas hatte das Ergebnis einer einzigen Schachtel dabei: der Bausatz von Plastic Soldier enthält zwei Raupenschlepper Ost mit jeweils zwei Optionen für die Kabine, zwei Kanonen PaK 40 und eine Menge Figuren. Die Bausätze richten sich an den Wargamer, sind aber nicht zu unterschätzen in ihrer Tücke, zB der Laufrichtung der Ketten. Nachdem noch übrige Teile von ACE und einer Wespe von Matchbox dazugekommen waren, fielen nach kräftigem langem Schütteln mit Farbe eine einzelne PaK, eine PaK auf Raupenschlepper und ein Raupenschlepper mit 10,5 cm Haubitze aus Thomas‘ magischem Kessel! Im Ernst – ganz schön viel Bauspaß und ein feines Ergebnis für wenig Geld.
Den Schluss machte eine Maskerade: eine spanische HA-1112 „Buchon“ von Special Hobby, verkleidet als Bf 109E für einen Film über die Schlacht um England. Die Decals hatte freundlicherweise Patrick gedruckt, Thomas hatte für die Filmversion noch eine Trittfläche und eine Stummelantenne spendiert. Die Lackierung schließlich stammte vielseitig von AK, AK Fineliner, Vallejo und Ammo of MiG.
Unser nächstes Treffen findet am 11. Juli wie gewohnt im TVN Vereinsheim statt.
Euer Harald Rotter









































