Unser Separee brummte mal wieder vor Gesprächen bis zu dem Zeitpunkt, als die Tische begannen, sich vor gutem Essen zu biegen, und gefräßiges Schweigen einsetzte im Hause TVN. Die Gefahr des Biegens war auf den Modelltischen nicht gegeben, aber nur, weil Polystyrol so leicht ist… hätte Vielseitigkeit ein Gewicht, wären wir wahrscheinlich in den Keller durchgebrochen.
Wer sich übrigens bei den Fotos über die unterschiedlichen Farben wundert: die warmen Farben und verwaschenen Details entstanden im „natürlichen“ Licht im TVN-Vereinsheim, die harten und etwas hellen im Licht einer wunderbar hellen Hand-LED-Lampe; mit beidem kommt meine Handykamera nicht so gut zurecht.
Den Anfang der Präsentation machte Thomas der I., der eigens den weiten Weg aus Niederbayern zu uns gemacht hatte. Wie bei Thomas nicht unerwartet, hatte er zwei Segelflugzeuge in 1:72 im Gepäck, beides Schleicher Ka 6, beide von Manfred Gante („Mannigausa“ im FF), und doch verschieden. Die silberne K 6 E erkennt man am Pendelruder; sie hat niederländische Zulassung und trägt Decals, die Thomas selbst gezeichnet und bei Brent-Air-Decals in Auftrag gegeben hat. Ganz ausnahmsweise wurde sie mit Vallejo-Sprühlack gespritzt, Thomas nimmt sonst immer den Pinsel. Die weiße Ka 6 CR hat er selbst im FSV Herrenberg in den 1990ern geflogen; die Decals für diese Maschine hat Thomas selbst designt und auf transparente Folie gedruckt.
Absolut kein Segelflieger ist die SR-72 Darkstar aus „Top Gun Maverick“ in 1:72. Der Resinbausatz von Fantastic Plastic existiert nur in kleiner Auflage, die Firma ist auch bei anderen Modellen bekannt für ausgefallene SF Themen, gute Details, mäßige Passform und Treppchen an den 3-D-Druckteilen. Sei’s drum, wer die Mach-10-Maschine will, der bekommt sie momentan nur so, und mit viel Spachtel- und Schleifarbeit wurde ein feines Modell daraus! Fahrwerksteile einer Hawk und eines Starfighter passten größenmäßig und machten nicht nur das Leben leichter, sondern auch das Modell schöner.
Thomas der III. hatte seinen ersten Versuch einer Base mit. Styropor, Spachtelmasse, Leim, Steinchen, Grasstreu, Grasbüschel und natürlich Handarbeit führten zu einem überzeugenden Ergebnis, und der auf der schlammigen Straße fahrende Treibstofftanker GMC CCKW-353 von Hasegawa in 1:72 (aus einer Form von 1974!) war mit verschiedenen Techniken ordentlich verwittert worden und machte ein ebenso überzeugendes Bild.
Wolle hatte gleich zwei Dioramen mitgebracht, „Shit!“ und „Badetag“. Der Podracer mit der fluchenden Fahrerin ist ein Spontanbeifang aus Hanau. Der Bausatz aus Resin-3D passte hervorragend und brauchte kaum Nacharbeit, nur ein paar Kabel wurden ergänzt. Die Haare der fluchenden Fahrerin wurden in mehreren Schichten in die freitragend-fliegende Form gebracht. Viele Arbeitsschritte zum Auftragen und wieder Wegnehmen von Farbschichten führten zum tollen visuellen Ergebnis, ergänzt durch einen Hund, der bis zur Zufriedenheit dreimal die Farbe gewechselt hat. Die Base ist natürlich Eigenbau, Styropor mit Spachtel und Sand geformt und als Wüste bemalt… vielleicht sogar auf Tattoine.
„Badetag“ klingt eigentlich nach einer ländlich-hauswirtschaftlichen Idylle. Ein Traktor, ein Motorrad sowie Werkzeug und Figuren von jeweils verschiedenen Herstellern wie MiniArt und Black Dog, eine Hausfassade aus geprägtem Weichschaum mit Echtholz-Einzelschindeln, Asphalt aus Acrylpaste, ein selfmade-Zaun am ebensolchen Schuppen, Hühner und Schweine aus dem 3D-Drucker in Wasser aus Epoxyharz, und alles mögliche Zeug aus dem eigenen Garten mischen sich in „Badetag“ zu einem tollen Gesamtbild, das genau das Gegenteil von Reinlichkeit ausstrahlt. 😊
Harald hatte seine dritte Variante der Redstone-Trägerrakete in 1:72 (nach Mercury und US Army) mitgebracht. Das Känguru auf Rakete (groß) und Satellit (klein) markiert WRESAT-1, den ersten von australischem Boden gestarteten Satellit. Der feine Bausatz der leider inzwischen aufgelösten Firma Horizon hat kleine Tücken auf dem Weg; ohne Spachteln und Schleifen geht es nicht, aber mit etwas Ellbogenschmalz wird ein sauberes Modell draus.
Weniger sauber ist der Boden auf Haralds Darstellung einer seltenen Variante des Jagdpanzers „Jagdtiger“ in 1:72 aus den letzten Monaten des 2. Weltkriegs mit der 88-mm-Kanone des Kampfpanzers „Tiger II“. Das Fahrzeug stellt ein noch nicht fertiges Gerät dar, das übereilt in Dienst gestellt werden soll. Die oxidrote Grundierung stammt aus einer Tamiya-Spraydose, das Modell selbst ist eine Mischung aus Trumpeter (Grundmodell), Esci (Motorabdeckung) und Revell (Ketten). Alles Werkzeug wurde vom Bausatz entfernt und die leeren Halterungen angescratcht; die Aufschrift auf der Seite ist einem bekannten Foto aus der Herstellungshalle im Nibelungenwerk bei Steyr nachempfunden. Die Base war im Bausatz, musste aber nachbearbeitet und mit Blei beschwert werden; die gelbschwarze Umrandung lehnt sich an das Computerspiel „World of Tanks“ an.
Ralf hatte zwei Uboote im schweren Gepäck, die unterschiedlicher nicht sein könnten! Die U9 aus dem ersten Weltkrieg (bekannt durch Versenkung von drei Panzerkreuzern in 90 Minuten) kommt in 1:72 von der Firma Das Werk; ein passgenaues Modell nicht ganz in der Größe eines Typ VII mit interessanten Optionen (Brücke mit oder ohne Segeltuchverkleidung). Figuren waren nicht leicht zu bekommen, letzten Endes mussten Seeleute der österreichischen Marine von Nikolai einspringen. Die Herausforderungen bei diesem Bausatz liegen einerseits in der Lackierung, um Einförmigkeit zu verhindern, von Ralf mit Blackbasing und Postshading ausgeführt, und andererseits in der aufwendigen Verspannung (hier mit Nähgarn), die dem Vernehmen nach zu regelmäßiger Adrenalinausschüttung auf Ausstellungen führt… wir alle kennen die Besucher, die mit den Fingern gucken.
Das winzige Bötchen daneben ist im selben Maßstab wie die U9 – das Ein-Mann-Uboot Biber aus den letzten Zügen des 2. Weltkriegs, hier von Special Hobby; ein angenehm zu bauender, gut passender Bausatz, nur Glasteile für die Fenster wären fein gewesen. Ralf hat die Torpedos abnehmbar ausgeführt; man möchte glauben, mit Magneten, aber sie passen einfach so gut!
Uli hat sein Wasserflugzeug-Thema weitergeführt – diesmal mit einer Norseman in 1:72 von Matchbox. Ein klassischer Bausatz mit Optionen für Skis, Radfahrwerk und Schwimmer. Uli hatte sich in die CF-DRD verguckt, die in Gelb und Rot in Red Lake, Ontario/Kanada flog. Die Decals stammen von Draw Decal. Die Schwimmer wurden wie im Original in verratztem Aluminium ausgeführt. Die erhabenen Spanten und Nieten hat Uli durch Einpressen in Alufolie erstellt, die dann mit der geprägten Seite nach innen aufgeklebt wurde. Das polierte Gunzesilber wurde anschließend mit Ölfarben verratzt, auch die Decals und der schwarze Blendschutz entgingen dank Glasfaserradierer nicht diesem Schicksal. Die Fenster hat Uli mit Overheadfolie nachgebildet, die von außen mit Crystal Clear angeklebt wurden. Streben aus Bambusstreifen und Verspannung aus Draht runden die Aufwertung des klassischen Matchbox-Bausatzes ab.
Jürgen W. hatte gleich zwei Ju 88 in 1:72 mitgebracht. Die erste ist die oft gebaute und zu Recht gelobte A von Revell, die Jürgen mit Visieren für die MGs und Details an den Bombenschlössern aufgewertet hat. Die zweite ist eine Ju 88T-1 (die Langstrecken-Aufklärervariante), umgebaut aus dem AMT-Bausatz. Die Kameraöffnungen wurden aufgeschnitten, mit Glas versehen und Kameras dahinter gesetzt. Die Rumpfspitze erhielt eine Vakuverglasung (die Kanzel durfte aber bleiben), und die BMW 801 Motoren erhielten eckige Auspuffrohre. Die Antennen wurden beim einen Bausatz mit Nähgarn, beim anderen mit Uschi-Spannschnur erstellt; lackiert wurde wie bei Jürgen immer mit Gunze und supersauber, auch supersauber verdreckt, wenn das Sinn macht. 😊
Moritz hatte eine Palette von Figuren dabei. Den Anfang machte ein Space Marine aus dem „Legions Imperialis“ Spielsystem im Winzmaßstab ~1:255. Nur echt mit dem Grasbüschel! Zu ihm gesellte sich Grogu („Baby Yoda“) aus der Serie „The Mandalorian“ in 1:24… aber so viel größer ist das Modell gar nicht! Bei seiner Zwergin aus dem Warhammer 40k System mischt sich die Technologie des 41. Jahrhunderts mit Dieselpunk – ihr Zopf wurde zum Schweben gebracht und das Ganze auf einer 3D-gedruckten Base in Szene gesetzt.
Die Tücken mit der Beleuchtung führten dazu, dass man auf den Fotos den Clou an der Reihe von Space Marines nicht so gut erkennen kann (im Maßstab „28 mm Heroic“, was ungefähr 1:50 entspricht, aber so genau kann das keiner sagen). Moritz hatte nämlich auf mehrfachen Wunsch seine Arbeitsschritte anhand von einzelnen Figuren festgehalten, von der Grundierung in Blau bis zur Enddetaillierung. In echt wars jedenfalls beeindruckend!
Uwe hatte zwei Produkte dessen mit, was er seine „tschechische Phase“ nennt, beide in 1:72. Einerseits die allseits bekannte Me 262B von Revell, aufgewertet mit einer neuen und geöffneten Cockpithaube und offenen Triebwerken aus dem Zubehörmarkt, und ausgeführt mit dezentem Preshading – unter hellem Licht sieht man es gut, bei normaler Beleuchtung kaum. Die Yak-23 von Special Hobby, ein Short-Run-Kit einer eher obskuren Maschine aus den Anfängen der sowjetischen Strahlluftfahrt, kommt mit Resin- und Fotoätzteilen; wenn die Kabinenhaube erst einmal zu ist, sieht man davon leider nur noch mit der Taschenlampe etwas! Seine Yak-23 hat Uwe mit Farben von Alclad lackiert – zuerst Alu semi-matt, dann ein helleres Alu zur Auflockerung durch eine Fleckenschablone gespritzt.
Patrick war diesmal ganz in seinem zweiten Hobbyfeld unterwegs, der Miniatur-Elektronik. Das nicht unehrgeizige Ziel seines Projekt war es, einen Microcontroller (de facto ein programmierter Mini-Grafikcomputer mit WiFi und Bildschirm) so zum Laufen zu bringen, dass tatsächlich ein sinnvolles Bild dargestellt werden kann. Ist das erst mal gelungen, geht es daran, mit einem Grafikprogramm auf dem ohnehin schon kleinen Cockpitschirm Animationen wie Fortschrittsbalken, wechselnde Bildschirme oder blinkende Kontrollleuchten zu gestalten. Den Erfolg zeigte uns das Cockpit eines X-Wing aus dem klassischen Videospiel „X-Wing“; der nächste Schritt wird sein, das Ganze im Rahmen eines Modells eher größeren Maßstabs (1:12? 1:24?) als realistisches Instrumentenbrett umzusetzen.
Auch Thomas der II. (der darauf besteht, immer zuletzt vorzustellen) hatte diesmal ein Uboot mitgebracht – den Typ VIIC aus dem 2. WK von Heller in 1:400, ein schon älterer und eher grober Bausatz, den Thomas mit einem im Scratchbau hergestellten Wintergarten aufgewertet hat. Begleitet wird das Boot von einem Schnellboot der S-100-Klasse, das im Bau fast eine Schraube eingebüßt hätte, doch: ein Bastelzimmer verliert nichts! (Es sei denn, es wird gesaugt.) Die beiden entstammen einem Kriegsmarine-Bausatz mit insgesamt 6 Schnellbooten aller möglichen Konfigurationen, das heißt: das Schnellboot und wir dürfen uns auf Gesellschaft freuen.
Thomas‘ Freude an den Matchbox-Klassikern hat ihn diesmal zur Krupp-Protze mit 3,7 cm PaK und diese zu uns geführt. Das Verdeck des LKW ist abnehmbar und zeigt das Innere; eine Windschutzscheibe war im Bausatz nicht vorhanden und wurde durch Thomas ergänzt. Eine (auch anderweitig verwendbare) Base ist bei den Fahrzeugen von Matchbox immer dabei; hier hat Thomas noch einen durch Superkleber verstärkten Faden als Leitung am Telegrafenmasten hinzugefügt.
Unser nächstes Treffen findet am DONNERSTAG den 11.12. statt – am Freitag ist unser Stammlokal durch eine Weihnachtsfeier blockiert.
Euer Harald Rotter





























































Korrektur: Die Oberflächen der Norseman (Flügel und Schwimmer) sind aus 0,15 mm Evergreen-Sheet!