Treffen vom 16.01.2026
Aufgrund der vollen Bude im Hauptgeschoss wurden wir wieder einmal in unser Separee im Keller verbannt, was räumlich und beleuchtungsmäßig viel besser, aber bei dichter Besetzung akustisch schwierig ist („HÄ?!“). Jedenfalls waren wir 19 Mann hoch versammelt; der Tisch bog sich nicht gerade vor fertigen Modellen, aber ordentlich zu sehen gab es dennoch was!
Bevor es losging mit den Modellpräsentationen, wurde nicht nur ordentlich gegessen, sondern auch das diesjährige Gruppenbauprojekt angesprochen. Zu den schon vorhandenen Vorschlägen kamen noch „All The Same“ (alle bauen das gleiche Modell, aber in ganz persönlicher Ausführung mit Umbauten jeder Art) und – kein Wunder nach der Popularität des Begriffs in letzten Zeit – „Zivilscheiß“. Nachdem die Abstimmung vor zwei Jahren zwar sehr fair, aber etwas umständlich war (klingt eigentlich nach einer deutschen Lösung 😉), haben wir uns diesmal für eine Google-Umfrage entschieden. Die hat zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Berichts auch bereits stattgefunden, und gewonnen hat das Thema „Schwarz ist bunt genug“. Man kann gespannt sein, was den völlig unterschiedlichen Modellbaurichtungen unter uns dazu einfällt!
Den Anfang der Präsentationen machte Uwe, der eine P-63C Kingcobra von Hi-Tech in 1:48 in attraktiven französischen Markierungen aus dem Indochinakrieg zeigte. Weniger attraktiv ist wohl der Bausatz, der als schlecht passender Multimediakit vor allem die Helden unter uns anspricht. Uwe hatte ihn von Erol geerbt und hat ihn mit Hartnäckigkeit in vielen Etappen allen Mojo-Tiefen zum Trotz zu einem hübschen Ende gebracht, mit Silber von Tamiya aus der Spraydose gefinisht und mit Ölfarbe und Staub nach Originalfotos verratzt.
Patrick zeigte einen M978 HEMTT Tanklaster für Flugzeugtreibstoff aus der Operation Desert Storm. Sowohl das Vorbild mit seinen 9 Tonnen Zuladung als auch das Modell stammen aus den 90er-Jahren. Der Bausatz von Italeri in 1:35 machte keine grundsätzlichen Probleme und lieferte auch Gummireifen mit ausgeprägtem Profil. Innen im typischen US-Grün gehalten, wurde der Vallejo-sandfarbene Tanker von Patrick außen liebevoll und ausgiebig derart verratzt, dass einem jede Hoffnung auf die Waschstraße vergeht.
Harald hatte über die Weihnachtsfeiertage zwei Bausätze von Special Armour in 1:72 blitzgebaut: eine V-2 Rakete aus der Nachkriegszeit während ihrer Erprobung in White Sands, USA, und einen dazugehörigen Tankanhänger für Flüssigsauerstoff. Die Rakete stellt eine von nur zwei Exemplaren dar, die gelb lackiert waren, und Starttisch und Tanker waren in den USA auf Olive Drab umlackiert worden. Die Bausätze sind grundsätzlich sehr angenehm zu bauen, nur beim Maskieren muss man bei Schwarz über Gelb aufpassen. Und Superkleber sollte man nach der Lackierung beim Anfassen nicht an den Fingern haben!
Wolle hatte einen Winzling mitgebracht: eine Fokker E.III in 1:144 von Valom. Das Fahrwerkgestell fein gelötet (in Worten: gelötet) und die Verspannung, soweit im Maßstab machbar, mit dünnem Kupferdraht nachgebildet. Das Flugzeugchen wird Teil eines Dioramas mit Modellflugzeugen und entsprechend großen Figuren sein.
Größer ist Wolles Mack Bulldog, ein legendärer, in riesigen Stückzahlen gebauter LKW in 1:24 von Atlantis. Da Wolle das Modell zu lang war für seine Standard-Acrylboxen, musste der Bulldog 4 cm Länge lassen und wurde vom LKW zum Sattelschlepper umgebaut. Die gut sichtbaren Sitze wurden mit Taschentüchern beledert und alles passend zum ausgiebigen Gebrauch des Fahrzeugs verwittert und verdreckt. Die Jungs, die sich um den Motor kümmern, stammen von American Diorama.
Michael I. brachte einen Veteranen seines Stashs mit zum Treffen. Die Cessna 150 in 1:48 (ursprünglich von Aoshima, in diesem Fall von Revell) hatte Michael schon 35-40 Jahre in seinem Fundus. Das geradezu allgegenwärtige Sportflugzeug war auch in seinem konkreten Vorbild, der D‑EEZM, eigentlich immer schon in Schwäbisch-Hall. Der starken Tendenz zum Tailsitten begegnete Michael durch nur teilweisen Einbau des Motors und dessen Ersatz durch Blei. Seine Darstellung, das Modell nach dem ursprünglichen Misslingen zur Seite gelegt zu haben, anstatt es zu zerstören, führte zu außerordentlichen Beiträgen aus dem Publikum, was nicht alles schon mit misslungenen oder uninteressant gewordenen Modellen geschehen war. Zertreten, mit dem Hammer flachklopfen, verbrennen, in die Luft sprengen… die kleine Cessna kann sich glücklich schätzen! Bei Neuaufnahme des Baus erhielt sie dann eine an den europäischen Motor angepasste Cowling, Radverkleidungen, Fahrwerkstangen und Auspuffrohre aus Kanülen.
Ralf zeigte zunächst eine He 178, ein ehrwürdiger Shortrun-Bausatz in 1:72 der tschechischen Firma Condor. Vom Cockpit des ersten strahlgetriebenen Flugzeugs der Welt gibt es keine Fotos, weshalb sich Ralf ungestört im Detail austoben konnte. Bemalt wurde die Kleine mit Revell 45 Helloliv und Alclad-Metallfarben.
Noch mehr Arbeit steckt in Ralfs Traktor, einem Lanz Bulldog mit Tankanhänger (wie hoch ist übrigens die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Treffen zufällig drei Tankfahrzeuge gezeigt werden?!). Der feine Bausatz von Germania Figuren in 1:72 wurde von Ralf durch Eigenbau und Zurüstteile von Weinert Modellbau weiter verfeinert und erhielt einen neuen Sitz, ein neues Lenkrad, Schutzbleche aus Messing und ein Messingdach mit vorschriftsmäßigem Anhängerdreieck. Der Tankanhänger ist eigentlich je eine hintere Hälfte eines Kesselkraftwagens, die zu einem Anhänger zusammengefügt wurden. Was wohl mit den Vorderteilen passieren wird?
Ralfs Leidenschaft für Uboote in 1:72 ließ ihn zum Bausatz des Shen Hai Yong Shi (Tiefseekrieger) in 1:72 greifen, auch wenn es dabei weniger zu tun gibt als gewohnt. Die Bauteile kommen bereits lackiert an ihren Spritzrahmen, d.h. es gilt, alles zusammenzubauen und die Gussansätze mechanisch und farblich zu versäubern. Zum Glück ist die Passgenauigkeit so, dass Schleifarbeiten unterbleiben können.
Jürgen W. hatte eine Junkers F.13 mitgebracht, die D188 „Dohle“ von Miniart in 1:48 – eine erstaunliche Abweichung von seinem sonstigen Standardmaßstab 1:72. Man möchte meinen, das wellblechbeplankte Vorbild das fertige Modell laut rufen zu hören „Hier, hier sind die Klebe- und Schleifstellen!“, aber mitnichten. Unter fachkundiger Anleitung findet man zwar die Stoßstellen, aber die Struktur hält. Lackiert wurde zuerst Silber, dann Grün, dann ganz leicht abgeschliffen, um Abnutzung zu zeigen. Alle Decals auf Wellblech wurden außen und innen randgenau ausgeschnitten – auch die zahlreichen 8er, die zu diesem Zwecke halbiert wurden. Da die Maschine keine Cockpithaube hat, kann man das feine Cockpit ganz ohne Taschenlampe bewundern.
Thomas zeigte eine Kooperation mit Hans-Ulrich – er hat einen amerikanischen 6×6 LKW M35 fertiggestellt, den er von HU angefangen erhalten hatte. Präsentiert wurde er auf einer Base der britischen Firma Redog – eigentlich ein Stück Flugfeld, aber unter anderem mit einem rostigen Stück Laufwerk einer Wespe SFL hat Thomas ein Stück Truppenübungsplatz daraus gezaubert.
Auf einer der tollen kleinen Bases, die immer in den Kits von Matchbox enthalten waren (in diesem Fall der des Sd.Kfz. 251) präsentierte Thomas schließlich ein Sd.Kfz. 247 der polnischen Firma First to Fight, die vor allem Geräte aus den Anfängen des 2. Weltkriegs in ihren günstigen und einfachen, aber offensichtlich feinen Bausätzen darstellt. Das Originalfahrzeug war technisch weniger erfolgreich, auf der Matchbox-Base macht es als Modell aber eine gute Figur und sieht geradezu modern aus!
Zu guter Letzt zeigte Michael II. ein Stück wahrgewordener Science Fiction des letzten Jahrhunderts, in einem Atemzug mit Mobiltelefon, Taschenrechner und Sprachsteuerung zu nennen: ein Ultraschallmesser („vibro knife“). Wie in der SF verhinderte ein kleiner technischer Defekt die wirksame Anwendung, aber die Beschreibung „schneidet wie eine winzige Kettensäge, auch wenn man es nicht bewegt“ macht neugierig; man sieht sich aber auch schon sein abgetrenntes Fingerglied auf dem Basteltisch wiederfinden. 😊
Unser nächstes Treffen findet am Freitag dem 13. Februar am gewohnten Ort statt.
Euer Harald Rotter































