Von einer Hitzewelle wie zwei Wochen später war noch nicht die Rede beim Junitreffen – viele Schwobabaschdler und viele Modelle gab es zu sehen, und weil das gute Essen sich etwas zog und jeder zu seinem Modell etwas mehr zu erzählen hatte, dauerte alles eine gute Stunde länger als gewohnt.
Den Anfang machte Zimmo, der – wer hätte es gedacht – eine Fw 190D gebaut hatte. Diesmal in 1:48 und von MiniArt. Ein grundsätzlich guter Bausatz mit 3D-Puzzle-Charakter, bei dem aber die eigentlich exzellente Passgenauigkeit punktuell völlig versagte. Bis auf die Kanonenläufe aus Kanülen und die Bremsschläuche aus Draht wurde das Modell OOB gebaut. Die Spätkriegstarnung aus grünlichem RLM 76 und dunklem RLM 81 entstand aus den neuen Aqua-Farben von Revell, über die Zimmo nur Gutes berichten konnte; die hervorragenden Figuren stammen von ICM und wurden mit AK-Farben lackiert.
Harald hatte einen Beitrag für unseren Gruppenbau „Schwarz ist bunt genug“ dabei – hier war es eine Bf 109G-6 des JG300, mit der im November 1943 wegen der alliierten Radarstörung Nachtjagd auf Sicht geflogen wurde, und die daher eine dunkle Behelfstarnung trug. Zusätzlich zur schwarzen Unterseite wurden beim Original alle hellen Markierungen im Eilverfahren schwarz überspritzt, und so geschah es auch im Modell. Das Modell wurde nach Anleitung gebaut und bedecalt und dann die schwarze Behelfstarnung freihand darüber lackiert.
Das Modell selbst ist schon fast ein Veteran: die Bf 109 von Hasegawa in 1:72, Anfang der 1990er ein Sahneschnittchen, und auch heute noch gut baubar mit toller Passgenauigkeit.
Wolle hatte einen Talbot Lago GP von Grand Prix von Monaco 1950 mitgebracht, der damals durch sein revolutionäres Planetengetriebe Technikgeschichte schrieb. Das ehrwürdige Modell von Heller in 1:24 erhielt neue Speichenräder aus einem anderen Bausatz sowie Zündkabel, Ölleitung und eine neue Kühlermaske. Das Mobiliar samt Motor wurde entgegen der Anleitung in einer Schuhlöffelaktion erst nach dem Zusammenbau der Rumpfhälften eingebaut. Blau ist bei Wolle schon vieles, daher wurde ein belgisches Fahrzeug in Gelb gebaut, was sich auch besser verschmutzen lässt.
An die Berufsschule fühlte sich der eine oder andere Schwobabaschdler bei Wolles Diorama einer im Prinzip modernen Werkstatt mit traditioneller Kundschaft in 1:35 erinnert. Die Dreh- und Fräsmaschine stammt von MiniArt, ebenso wie die beiden Traktoren. Das bekannte MiniArt-Problem, dass die Haupträder im Modell identisch sind, die Reifen aber ein Richtungsprofil haben, wurde durch Aussägen der Felge gelöst; übrig bleibt nur ein liegender Reifen. Das Werkzeug stammt aus 5-6 verschiedenen Bausätzen; Farbtuben, offene Schubladen, Werkstattwagen, Fräser, Besen und vieles mehr sind selbstgemacht, beispielsweise auch die Uhr an der Wand, die einmal der Deckel eines Ölfasses war.
Markus stellte zunächst einen 2,5 t US Cargo Truck von Tamiya in 1:35 vor. Der Bausatz war fein zu bauen mit wenig Teilen; die Rödelschnur für die Kabelwinde wurde mit Leim geglättet. Das Ganze wurde OOB in 2 Wochen fertiggestellt, in Revell Braunoliv gefinisht und angemessen abgeratzt. Der Fahrer überredete Nicht-so-sehr-Figurenbauer Markus durch sein freundliches Lächeln, ihn doch zu bauen!
Aus dem Nachlass von HJN hatte Markus über Jo auch eine Bf 109F-4 trop von Hasegawa in 1:32 erhalten, die er als die Afrika-Maschine von Gerhard Homuth (Kommandeur I./JG 27) baute, mit der kleinen künstlerischen Freiheit des Staffelwappens. Wie zu erwarten war, lief der Bau problemlos; auch die Figur war schon enthalten, und Markus wählte diesmal den Kopf mit dem Schiffchen. Der Oberfläche aus Tamiya- und MM-Farben wurde mit verschiedenen Techniken Variation verliehen, als Weiß kam ein sehr helles Grau zum Einsatz. Irgendwas von 2 Wochen war da noch… die Bauzeit kann es unmöglich gewesen sein!
Schließlich hatte Markus eine Ju 88-11 von ICM in 1:48 dabei, die infolge Zimmos Maßstabswechsel erstanden hatte. Der Bausatz fällt nicht von selbst zusammen, gerade an den Motorgondeln galt es deutlich nachzuarbeiten. Bremsleitungen und Antennenkabel wurden ergänzt und das gut sichtbare Cockpit mit Ätzteilen von Eduard aufgehübscht – man sieht es! Ein Segen bei der Lackierung waren die vorgeschnittenen Masken von Eduard für die Glasteile. Die Maschine selbst hat Markus eher am sauberen Rand des Verdreckungsspektrums angesiedelt. Und wieder war von 2 Wochen die Rede, was auch immer in dieser Zeit passiert sein soll… Abschluss der Recherche vor Baubeginn vielleicht? Nie und nimmer, viel zu kurz!
Ralf hatte wieder Material in 1:72 mitgebracht. Den Anfang machten zwei Vomag 8 LR Dreiachser von Roden, die beide Ralfs Großdiorama einer Hafenszene unterstützen werden – der eine mit Torpedos (aus verschiedenen Bausätzen gesammelt), der andere mit Stahlfässern aus Resin. Die grundsätzlich einfachen Bausätze sind identisch, aber nicht identisch gebaut – wo beim einen die Motorhaube abnehmbar ist, wurde der Motor beim anderen durch eine Attrappe ersetzt. Klarsichtteile wurden ergänzt und eine Kette von Bavaria Modellbahnen angebaut. Die Bemalung besteht in einem lebensbejahenden Panzergrau aus Revell 78, und natürlich wurden LKWs und Ladung dem Einsatz entsprechend versifft.
Am anderen Ende der Größenskala steht die Zündapp-Beiwagenmaschine aus dem 3D-Drucker. Wenn man die gefühlt 1 Million Druckstreben von der unglaublich fein detaillierten Maschine entfernt, fühlt man sich dem Vernehmen nach wie ein klassischer Bildhauer, der eine edle Statue aus einem Marmorblock schält: „Sie war immer schon drin, ich musste sie nur freilegen!“. Eine umgebaute und ausgerüstete Figur von Preiser verleiht dem Ganzen Maßstab und Leben.
Jo hatte ein Langzeitprojekt im großen Gepäck: den Semi-Scratchbau eines zweisitzigen Behelfsnachtjägers NF.12 der 42 Squadron, 1956, im Maßstab 1:32. Basis war eine Einsitzer-Meteor von HKM, an der Jo neue Flügelenden, eine neue, aus Plastiksheet geschliffene Nase, ein neues Cockpit (mit viel neuen Details, aber leider im Original schwarz und daher schwer zu sehen) und kunstvoll nachverbeulte Tanks einer Vampire von Infinity verbaute. Nach dem 10. Versuch war die Haube korrekt tiefgezogen, und nach dem kompromisslosen Nachbessern der Xtracolor-Tarnung aufgrund eines Kokardenproblems stand die Maschine mit Lackierung 2.0 auf dem nachträglich gekürzten Bugfahrwerk. Wie im Märchen: der Lohn für 7 Jahre Dienst!
Moritz hatte tatsächlich auch ein Langzeitprojekt dabei – vor 3 Jahren erschien die 10. Edition der Space Marines aus Warhammer 40k, und nun hat er seine erste Einheit fertiggestellt. Bei Moritz‘ Figuren gibt es immer viel im Detail zu sehen, aber der Terminator mit seiner handgemalten(!) klassischen Säule vor grüner Landschaft auf dem Schulterpanzer ist schon etwas Besonderes.
Die pastellfarbene Truppe ist die erste Hälfte einer Einheit aus Space-Elfen (ebenfalls aus WH40k). Bei der Farbgebung orientierte sich Moritz an seinem Lieblingsgetränk Arizona Eistee. Zur Grundierung griff Moritz ausnahmsweise zur Airbrush und lackierte Highlights von oben; der Rest (einschließlich Flammen und Gesichter) ist wieder handgemalt.
Jürgen W. hatte ein Schneediorama in 1:72 mitgebracht, nämlich die erste Landung auf dem Südpol am 31.10.1956 durch eine R4D-5L der US Navy, also der Antarktisversion der DC-3. Die Maschine ist ein Kitbash aus den Bausätzen der R4D-5 von Esci (Inneneinrichtung, Fahrwerk, Frachttüre) und der C-47 von Italeri (Rumpf & Flügel). Die Nase musste aus Balsaholz gescratcht werden, und eine Reihe von zusätzlichen Antennen aus Messing wurden angebracht und jede Menge Antennen- und Verspannungsdrähte gespannt (das Original hatte sogar eine 2 km lange Schleppantenne für Langwellenfunk). Soweit durch die offene Türe sichtbar, wurden Spanten eingezogen, und die Fenster aus Krystal Klear (seitlich) und Overheadfolie (Cockpit) erstellt. Der Schnee besteht aus schichtenweise aufgetragenem Natron mit Klarlack, und die verschiedenen Silbertöne stammen von Vallejo und BareMetal.
Dieter hatte seinen Beitrag für den „Schwarz“-Gruppenbau dabei. Das Spaßmodell des „Red Baron“ Dragsters von Atlantis in 1:32 hat er mit Farben von Lifecolor lackiert und auf einen Hartmetallplatte als Base gestellt. Das schwarze Element besteht in einer abnehmbaren schwarzen Abdeckung – ob das die Schiedsrichter gelten lassen? Na vielleicht kommt ja ein Anruf aus den USA. 😊
Eine Jubiläumsmaschine der besonderen Art ist Dieters RF-4E Phantom von Revell aus der Form von 1997, die auf einer Seite die Farben des Jubiläums „25 Jahre AG Immelmann“ von 1984 und auf der anderen Seite die Sonderbemalung des „Last Call“ von 1992 trägt. Die Flügeltanks wurden nie getragen, machen aber einiges her und sind deshalb mit Magneten abnehmbar. Die Decals von Microscale waren schon etwas älter und bekamen beim Trocknen Risse – die Last-Call-Hälfte wurde mit Decals von Ha-Hen erstellt und scheinen etwas durch, aber nur wenn man mit der Taschenlampe draufleuchtet. Die Base kann man schon als Gesamtkunstwerk der beiden Jubiläen bezeichnen!
Michael hatte einen der in letzter Zeit bei uns sehr beliebten Traktoren von MiniArt in 1:35 mitgebracht. Das komplexe Modell ist leidlich passgenau, beim Einpassen des Tankes hätte sich die Firma ein wenig mehr Gedanken zum Engineering machen können… der Ausdruck „3D-Puzzle“ bietet sich an. Auch dieser Bausatz hat das erwähnte Problem, dass beide Antriebsräder identisch sind, das Profil aber eine Richtung hat. Im Original kein Problem, da kommt der Reifen erst nachher auf die Felge, im Modell ist aber alles als ein Teil modelliert. Die Verdreckung vor allem der Reifenprofile hat Michael originellerweise mit Saatgutstaub durchgeführt.
Hans-Ulrich (HU) zeigte uns zwei Modelle in einem. Da war zuerst einmal der japanische schwere Panzertransporter von Aoshima in 1:72; ein feines Modell mit kippbarem Führerhaus schon direkt aus der Box! Rollen kann er aber nicht aus der Box, das hat ihm HU beigebracht. Und grüne Blinklichter tragen japanische Militärtransporter, weil sie nur in der Nacht fahren dürfen.
Dazu gehört der Amphibienpanzer, der im Gegensatz zu seinem Transporter (JGSDF Olive Drab) in der Zweiton-Tarnung der JGSDF ausgeführt ist. Aoshima hat sogar an Klarsichtlampen gedacht, wodurch das Modell sehr an Plastizität gewinnt. Als Besonderheit hat HU die Optiken mit Holofolie beklebt, was die Laserschutzbeschichtung des Originals sehr schön nachbildet.
Thomas hat seinem Faible für Orange auf USN Glossy Sea Blue (hier von Vallejo) Ausdruck verliehen, und wo er recht hat, hat er recht: wer einmal eine Bearcat live gesehen hat, der vergisst das nicht. Und so standen mit F4U-4B Corsair und F8F-1 Bearcat zwei Propeller-Ikonen der Nachkriegszeit in 1:72 auf seiner Base vereint – beide von Revell, und mit der Gratis-Decalchallenge „oranger Streifen oben passt nicht zu unten“. Der Corsair ist ein Pilot der Airfix-Mustang zugestiegen und hat sich mit Gurten aus Krepp angeschnallt, und Thomas hat den hübschen Motor mit Zündkabeln verfeinert und konsequenterweise offen dargestellt.
Der GMC 2,5 t Cargo Truck stammt aus dem feinen 1:72-Bausatz von Academy, der angenehm und durchdacht zu bauen ist – auch die Unterseite ist schön detailliert, aber kein 3D-Puzzle. Gerödel für die Ladefläche ist schon im Bausatz enthalten, und es bleibt noch etwas übrig fürs nächste Modell.
Der Achtrad-Spähwagen Sd.Kfz. 234/3 „Puma“ in 1:76 von Matchbox (später Revell) ist ein Klassiker, den viele von uns schon in der Hand gehabt haben. Thomas hat ihn hier in der typischen Dreifarben-Flecktarnung der Wehrmacht dargestellt und ihm allerlei Gepäck von Black Dog mit auf den Weg gegeben – auch ein Helm einer Figur von Matchbox durfte mit auf die Motorhaube.
Viel gab es zu erzählen zu den Modellen, man merkt es auch an der Länge des Berichts! 😊 Aber so soll das sein – seien wir uns doch ehrlich, wer außer uns gegenseitig hört uns denn zu, wenn wir etwas zu unseren Modellen auf dem Herzen haben?
In diesem Sinne freuen wir uns schon aufs nächste Treffen am 10. Juli!
Und ACHTUNG: wegen der Sommerpause unseres Etablissements fällt das Treffen vom August leider aus.
Euer Harald Rotter



















